Termindetails

 TERMIN am Sonntag: 01.11.2020 - 30.11.2020 24:00
 Treffpunkt: Kirche Sülfeld
 Betrifft, Veranstalter oder Objekt: [Kirche]
 © Verantwortlich für den Inhalt   : [Online-Redaktion] Online Redaktion Sülfeld

   
„Teppich der Erinnerung“ in der Sülfelder Kirche

 „Teppich der Erinnerung“ in der Sülfelder Kirche

Sülfeld Betritt man in diesen Tagen die Sülfelder Kirche, geht der Blick unweigerlich nach oben. Rund 1000 goldfarbene schmale und breite Stoffstreifen hängen scheinbar schwebend im Raum. Auf manchen sind Namen und Daten zu lesen.
An den Wänden stehen gelbe Schilder mit Fragen. Auf einem ist zu lesen:  Was war bisher Dein größtes Glück? Und auf einem anderen: Was lehrt Dich der Tod?
Steffen Paar, der der Seelsorge der Kirchengemeinde, erzählt zu dieser Installation: „Der November liegt als Monat in einer Jahreszeit, in der ganz viel innen geschieht. In den Häusern und in den Gedanken. Kirchlich liegen da nicht umsonst viele Feiertage, die mit Erinnerung und Einkehr zu tun haben. Einer davon ist der Totensonntag. Klassischerweise werden da immer die Namen der Verstorbenen seit dem letzten Totensonntag verlesen. Als Gemeinde erinnern wir uns gemeinsam. Man spürt in diesen Gottesdiensten: Ich trauere nicht alleine. Und gleichzeitig schafft Gemeinschaft eine Ahnung von Trost. Und das geht in diesem Jahr nicht. Es wird keine Gottesdienste am Totensonntag geben.“
Und so erzählt Paar weiter von seiner Idee eines Teppichs der Erinnerung. Wie einzelne Teppichfäden hängen die goldenen Stoffstreifen im Raum. Jede Verstorbene und jeder Verstorbene hat einen eigenen Stoffstreifen, auf dem sein Todesdatum und der Vorname stehen.
Paar dazu: „Unsere Toten sind Teil unserer Erinnerung. Hineingewebt in unser Gedächtnis als Angehörige und Kirchengemeinde. Hineingewebt in das, was wir Gott nennen. Nichts bleibt, aber auch nichts geht verloren. So glänzt golden unsere Hoffnung, dass Tod nichts anderes als Verwandlung ist.“
In einer Ecke ist ein Sarg zu sehen. Auf die Frage, ob das nicht etwas zu krass sei, antwortet Paar: „Ja, der Tod ist eine harte Sache. Er führt uns das vor Augen, was weh tut und in einer Welt von stetem Wachstum keiner so recht hören will. Doch der Tod ist kein Angstmacher, sondern für die Bibel ein Lehrer. Vom das Tod das Leben lernen. Nicht nur den Glauben an das Leben nach dem Tod suchen, sondern auch das Leben vor dem Tod finden! Und dem dient alles, was hier im Raum ist. Als Wegweiser, als Einladung, nicht davor wegzulaufen, sondern sich damit seinen Weg zu finden“
Die Sülfelder Kirche als Herberge für die Seele ist täglich geöffnet. Es gibt die Möglichkeit, Kerzen anzuzünden, ausgedruckte Predigten und ein Erinnerungsritual für zuhause mitzunehmen. Auch liegen für Eltern Material und Bücher bereit, mit denen sie sich mit ihren Kindern dem Thema nähern können. Wer mag, kann Name und Todesdatum eines Verstorbenen dort hinterlegen. Paar wird die Daten dann dem Teppich der Erinnerung hinzufügen.
In der offenen Kirche können zudem Spenden gegeben werden, die das Oldesloer Hospizes unterstützen.
Als Paar die Kirchentüre öffnet, kommt ein Windhauch in die Kirche. Die Stoffstreifen bewegen sich leicht und leuchten im Sonnenlicht.

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